„Frieden im Geist der Menschen verankern“

Die Idee entstand auf dem Höhepunkt des "kalten Krieges": Dr. Gerald Mader, sozialdemokratischer Landesrat im Burgenland, setzte sich mit Gleichgesinnten für die Gründung eines Friedens-Zentrums ein, das als Ort der Begegnung und des Gesprächs zwischen Ost und West dienen konnte.

Ende 1982 wurde in Wien ein entsprechender Verein ins Leben gerufen. Der damalige Bundeskanzler Kreisky und zahlreiche prominente Verbündete aus Politik, Wissenschaft und Kultur unterstützen das Vorhaben. 1983 konnte das Österreichische Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK) die Arbeit auf der Burg in Schlaining beginnen, die auf- grund ihrer Lage im Schatten des Eisernen Vorhangs (gerade einmal 8000 Meter sind es bis zur österreichisch-ungarischen Staatsgrenze) als idealer Platz für das einzigartige Projekt galt.

Friedensburg Schlaining

Die Friedensburg Schlaining erarbeitete sich als unabhängiger Verein rasch international ihren guten Ruf. Im September 1987 verlieh UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuéllar dem Institut offiziell den Titel "Botschafter des Friedens" ("Peace Messenger"). Zahlreiche weitere Auszeichnungen sollten folgen, darunter der Preis der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO-Preis für Friedenserziehung, 1995), gemeinsam mit der "european peace university" (seit 2010 selbständige Privatuniversität www.epu.ac.at).

Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK)
Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK)
Granarium

Als die Vereinten Nationen Anfang der 90er Jahre dazu aufriefen, Ausbildungsstätten für zivile Friedenshelfer zu errichten, hörte man in Österreich den Ruf und zögerte nicht: mit Unterstützung der Bundesregierung wurde auf der Friedensburg Schlaining das „International Civilian Peacebuilding/ Peacekeeping Training Program“ (IPT)
ins Leben gerufen, das weltweit erste Ausbildungsprogramm seiner Art – es dient bis heute international als Referenz für die Aus- und Weiterbildung von zivilen Experten in Friedenseinsätzen. Sowohl die UNO, als auch andere große Entsende-Organisa- tionen (OSZE, EU, Ärzte ohne Grenzen, Caritas etc.) lassen ihre MitarbeiterInnen regelmäßig im Burgenland schulen.
Das moderne Tagungszentrum für Konferenzen mit bis zu 250 TeilnehmerInnen im ehemaligen Kornspeicher („Granarium“) der Friedensburg steht auch für externe Veranstaltungen zur Verfügung. Unser „Hotel Burg“ im ehemaligen Zeughaus und in den wuchtigen Gewölben der mittelalterlichen Waffenschmiede ist nicht zuletzt wegen seiner bekannt guten Küche beliebt. „Frieden geht durch den Magen“ – die Gäste des Hauses konnten sich von der Richtigkeit dieses Spruches überzeugen.

Friedenwochen auf der Friedensburg
Friedenwochen auf der Friedensburg

Neben der intensiven Forschung zu friedenspolitischen Themen stellt auch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einen Schwerpunkt der Aktivitäten dar. So reisen Schulklassen und Gruppen aus dem ganzen Land zu „Friedenswochen“ an, einem Programm im Rahmen der Gewaltprävention, das als UNESCO-Dekadenprojekt prämiert wurde.

Seit dem Jahr 2007 haben bereits über 3000 SchülerInnen Methoden des gewaltfreien Umgangs mit Konflikten auf der Friedensburg Schlaining erlernt und erprobt. Dabei dient die Präambel aus der UNESCO-Verfassung als Leitmotiv unserer Arbeit: „Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“

Friedensmuseum auf Burg Schlaining
Friedensmuseum auf Burg Schlaining

Der Satz findet sich auch am Eingang zum „Europäischen Museum für Frieden“, das seit dem Jahr 2000 in den mittelalterlichen Gebäuden in die Geschichte von Krieg und Frieden, von Gewaltvermeidung und Friedensgestaltung einführt.
Interaktive Exponate laden ein, sich mit den Ursachen von Konflikteskalationen auseinander zu setzen.
Aktuelle Sonderausstellungen zum Thema und eine volkskundliche Sammlung ergänzen das Angebot.

Friedenbibliothek
Sadakos Kranich

Wer sich mit den Fragen um Krieg und Frieden eingehender beschäftigen will, findet in unserer Friedensbibliothek rund 30.000 Fachbücher und zahlreiche internationale Fachzeitschriften zum Thema. Die Bibliothek im jüdischen Gebetsraum der ehemaligen Synagoge am Hauptplatz hält noch einen ganz besonderen "Schatz" bereit: einen winzigen Papierkranich aus den Händen des jugendlichen Hiroshima-Opfers Sadako Sasaki, der seit dem Jahr 2009 als symbolischer Friedens-Botschafter für den Kontinent Europa hier gehütet wird.

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